Das Mikrobiom der Neugeborenen und die Entwicklung des Immunsystems

Das Mikrobiom der Neugeborenen und die Entwicklung des Immunsystems

Das Mikrobiom der Neugeborenen und die Entwicklung des Immunsystems

Die Gesamtheit verschiedener Bakterienarten, Viren, Pilze und Protozoen im menschlichen Körper wird als Mikrobiom bezeichnet. Die Symbiose zwischen bakteriellem Mikrobiom und dem menschlichen Körper spielt in verschiedenen biologischen Prozessen eine besondere Rolle, weil diese verstärkt Einfluss auf den Verdauungsprozess, die Entwicklung des Gehirns sowie des Immunsystems nimmt und somit für unsere Gesundheit ausschlaggebend ist. Eine Dysbalance in der Darmflora ist beispielsweise oft mit chronischen Erkrankungen, wie z.B. dem Irritablen Darmsyndrom (IDS), allergischen Prozessen, Fettleibigkeit und neurologischen Erkrankungen in Verbindung zu bringen.

Wie in unterschiedlichen Studien nachgewiesen, können verschiedene äußere Faktoren wie:

– Geburtsverlauf

– Art der Säuglingsnahrung (dabei spielt das Stillen eine besondere Rolle)

– Krankenhausaufenthalt

– Anwendung von Antibiotika

Einfluss auf die Entwicklung des Mikrobioms im Säuglingsalter und in den ersten drei Lebensjahren des Kleinkindes nehmen.

Ein Beispiel einer dieser Studien in diesem Bereich wurde in der Fachzeitschrift Pedriatics veröffentlicht, welche zeigt, wie vaginal geborene Babys die ausschließlich gestillt wurden, eine „vorteilhafte“ intestinale Mikrobiota aufweisen. Diese weist sich durch eine hohe Präsenz an Bifidobakterien und einen geringen Anteil an Clostridium difficile und Escherichia coli aus.

Bei der Geburt wird das Neugeborene einer Vielzahl von Mikroben verschiedener Herkunft, so auch den Bakterien der Mutter, ausgesetzt. Eine weitere Studie aus dem Jahr 2010 untersucht den Unterschied der Bakterienflora der Mütter und ihrer Säuglinge, wobei sie Differenzen zwischen den vaginal und den per Kaiserschnitt Geborenen aufzeigt und analysiert.

Die erste Gruppe wies akquirierte bakterielle Gemeinschaften ähnlich der vaginalen Mikroflora der eigenen Mutter auf. Dominant wurden Lactobacillus, Prevotella oder Sneathia spp. festgestellt. Bei den per Kaiserschnitt geborenen Säuglingen wurden dagegen Bakteriengemeinschaften, wie z.B. Staphylococcus, Corynebacterium und Propionibacterium spp. gefunden, welche den auf der Hautoberfläche gefundenen Bakterien ähneln. Diese stammen nicht von der Mutter, sondern meist von der Person, die zuerst Kontakt mit dem Neugeborenen hatte, und aus der Umgebung des Operationssaals. Wenige Minuten nach dem Eingriff sind diese Babys nicht mehr steril. Es ist allerdings eine Tatsache, dass sobald das Immunsystem des Kindes reift, durch Wachstum, Kontakt und Wechselwirkung mit der Umgebung, sich das menschliche Mikrobiom mit der Zeit normalisiert.

Aktuell wird erforscht, in welcher Verbindung die Zusammensetzung der Bakterienpopulationen bei Geburt mit der Anfälligkeit des Organismus für bestimmte Krankheiten steht. Die Hypothese welche zum Beispiel hinter dem Experiment von Frau Dr. Domínguez Bello steht, besagt, dass das Inokulieren der per Kaiserschnitt geborenen Säuglinge mit dem Vaginalsekret der Mutter bestimmte Krankheiten, unter ihnen Allergien wie Asthma, verhindern könnte. Der Erstkontakt mit den Bakterien der Mutter beeinflussen die Mikrobiota der Neugeborenen und helfen bei der Erziehung und der gesunden Entwicklung des Immunsystems.

Quellenangabe:

Penders J, Thijs C, Vink C, Stelma FF, Snijders B, Kummeling I, van den Brandt PA, Stobberingh EE.Factors influencing the composition of the intestinal microbiota in early infancy. Pediatrics. 2006 Aug;118(2):511-21.

Dominguez-Bello MG, Costello EK, Contreras M, Magris M, Hidalgo G, Fierer N, Knight R Delivery mode shapes the acquisition and structure of the initial microbiota across multiple body habitats in newborns. Proc Natl Acad Sci U S A. 2010 Jun 29;107(26):11971-5.

Artikel in Spanisch: Natalio Cosoy. BBC Mundo. ¿”Pintar” a los bebés de microbios de su mamá para protegerlos?