Der Einfluss des Stillens auf die Entwicklung des Immunsystems

StillensDie Muttermilch versorgt das Neugeborene nicht nur mit den angemessenen Nährstoffen, sie ist auch wichtig für die Reifung des Immunsystems. Nach der Geburt muss das Baby seine eigenen Abwehrmechanismen ausprägen, damit es Infektionen aus eigener Kraft bekämpfen kann. Es muss auch seine eigene Darmflora entwickeln, denn diese unterstützt die Aktivität des Immunsystems. Die Muttermilch kann es mit unterschiedlichen  Elementen versorgen, die es dafür braucht [1].

Während der Schwangerschaft verfügt der Fötus nur über minimale Abwehrkräfte, damit es nicht zu übermäßigen Immunreaktionen oder Inkompatibilitäten zwischen Mutter und Kind kommt, denn diese könnten „immunbedingte Aborte“ auslösen [2]. Deshalb wird das Baby mit einem aktiven, aber „unreifen“ Immunsystem geboren.

Welche Vorteile hat das Stillen?

Die Muttermilch versorgt das Neugeborene mit verschiedenen Elementen, zum Beispiel:

  • Laktose: stimuliert die Produktion von antimikrobiellen Peptiden. Diese Eiweiße helfen bei der Bekämpfung von Darminfektionen und sie unterstützen die Entwicklung der Darmflora, was die Reifung des Immunsystems ermöglicht [3].
  • Inmunoglobuline IgA: Das sind Antikörper, die die Infektionserreger neutralisieren. Da sie mit der Muttermilch von der Mutter auf das Neugeborene übergehen, bieten diese Antikörper einen Extraschutz gegenüber Infektionen [1].
  • Immunzellen: Sie sind in großen Mengen im Kolostrum vorhanden (ca. 5×106 Zellen/ml), insbesondere Makrophagen und Neutrophilen. T- und B-Zellen sowie NK-Zellen machen 10% der in der Muttermilch vorhandenen Lymphozyten aus, aber je reifer die Muttermilch, desto geringer deren Anzahl [1]. Diese Zellen überleben bei der Passage durch den Darm des Babys und beeinflussen die Immunantwort auf Infektionen.
  • Oligosaccaride: Das sind präbiotische Nährstoffe, die die Bildung lebensnotwendiger Bakterien wie zum Beispiel Bifidobakterien unterstützen [2] [4].

Die Muttermilch enthält außerdem viele andere Substanzen wie z.B. den Transformierenden Wachstumsfaktor Beta (TGF-β), der eine angemessene und ausgeglichene Immunreaktion fördert [2] [4].

Langfristiger Nutzen des Stillens

Ein reifes Immunsystem ist in der Lage, einerseits schädliche Antigene zu erkennen und zu bekämpfen und andererseits unschädliche sowie körpereigene Antigene davon zu unterscheiden und nicht anzugreifen. Diese Toleranz ist langfristig unverzichtbar, damit diese unschädlichen Antigene keine allergischen oder entzündlichen Immunantworten auslösen. Somit trägt das Stillen zur Vorbeugung von Allergien und Autoimmunerkrankungen bei [4].

Bibliographie

[1] Jackson KM, Nazar AM. Breastfeeding, the Immune Response, and Long-term Health. J Am Osteopath Assoc. 2006 Apr;106(4):203-7.

[2] M’Rabet L et al. Breast-feeding and Its Role in Early Development of the Immune System in Infants: Consequences for Health Later in Life. J Nutr. 2008 Sep;138(9):1782S-1790S.

[3] Cederlund A et al. Lactose in Human Breast Milk an Inducer of Innate Immunity with Implications for a Role in Intestinal Homeostasis. PLoS One. 2013; 8(1): e53876.

[4] Verhasselt V. Oral tolerance in neonates: from basics to potential prevention of allergic disease. Mucosal Immunology. Mucosal Immunol. 2010 Jul;3(4):326-33.