Parkinson und Entzündung: Die Rolle des Immunsystems

Parkinson und Entzündung: Die Rolle des ImmunsystemsIst die Entzündung verantwortlich für die Neurodegeneration bei Parkinson oder handelt es sich um eine simple Reaktion auf den im Krankheitsverlauf beobachteten neuronalen Zelltod?

Gegenwärtig sind eine Vielzahl von Studien verfügbar, die versuchen, den Zusammenhang zwischen unserem Immunsystem und neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson aufzuklären. Es handelt sich hierbei um eine progressive Störung, die oftmals mit dem Älterwerden einhergeht und sich durch eine Degeneration sowie den progressiven Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen auszeichnet, die sich im zentralen Nervensystem (ZNS) befinden.

Neueste Studien belegen, dass eine übermäßige Entzündung sowie eine fehlgeleitete Immunreaktion eine wichtige Rolle in der Entstehung und dem Fortschreiten dieser Nervenkrankheit spielen könnten [1].

Entzündliche Prozesse bei Parkinson

Die ersten Nachweise über die Rolle der Entzündung bei dieser Erkrankung lieferte eine Post-mortem-Studie, anhand derer die Präsenz von aktivierten Mikrogliazellen belegt werden konnte [2]. Hierbei handelt es sich um Immunzellen, die die erste Verteidigungslinie im Gehirn repräsentieren. Wenn Veränderungen in der Umgebung festgestellt werden, wie beispielsweise die Präsenz von Krankheitserregern oder die Ansammlung von anormalen Proteinen, werden diese Immunzellen aktiviert und präsentieren diese Fremstoffe (Antigene) anderen Zellen des Immunsystems, wie beispielsweise den T-Lymphozyten. Diese Antigene werden mithilfe von Molekülen des Haupthistokompatibilitätskomplexes II (MHC-II) präsentiert [3]. Mikroglia sind ebenfalls in der Lage, Entzündungsmediatoren zu produzieren, die wiederum ihrerseits andere Zellen aktivieren und so den entzündlichen Prozess fördern. Zu den freigesetzten Mediatoren zählen Substanzen wie Galectin-3, ein Protein mit antimikrobieller Wirkung, das in der Lage ist, sich mit den spezifischen Rezeptoren der Immunzellen (zum Beispiel den so genannten Toll-ähnlichen Rezeptoren, wie TLR4) zu verbinden und so einen Entzündungsschub auszulösen [4].

Trotz der Tatsache, dass der entzündliche Prozess für die Eliminierung der pathogenen Elemente nützlich ist, kann eine übermäßige Reaktion für die Zellen unseres Körpers schädlich sein, was die im Krankheitsverlauf beobachteten Symptome und Gehirnschädigungen belegen. Wie jüngste Studien zeigen, wird dieser Mechanismus bereits in den frühesten Stadien der Krankheit beobachtet [5].

Neueste Erkenntnisse legen andererseits nahe, dass Parkinson eine Folgeerscheinung einer Autoimmunreaktion sein könnte, im Zuge welcher die Immunzellen die Neuronen als Fremdelemente erkennen, diese bekämpfen und letztendlich abtöten [6].

Die Mikroimmuntherapie könnte eine wichtige Rolle bei der Regulierung der Entzündungs- und Immunreaktion bei Parkinson spielen. Diese Therapie, die auf dem Einsatz von Zytokinen und Nukleinsäuren in unterschiedlichen Verdünnungen basiert, ist auf die Regulierung verschiedener Faktoren ausgerichtet, die an der Neurodegeneration beteiligt sind. Durch die Mikroimmuntherapie sollen somit die Gehirnschäden minimiert werden.

 

Bibliographie

[1]        X. Su and H. J. Federoff, “Immune responses in parkinson’s disease: Interplay between central and peripheral immune systems,” Biomed Res. Int., vol. 2014, Article ID: 275178, 2014.

[2]        P. L. McGeer, S. Itagaki, B. E. Boyes, and E. G. McGeer, “Reactive microglia are positive for HLA-DR in the substantia nigra of Parkinson’s and Alzheimer’s disease brains,” Neurology, vol. 38, no. 8, pp. 1285–1291, Aug. 1988.

[3]        a. S. Harms, et al. “MHCII Is Required for  -Synuclein-Induced Activation of Microglia, CD4 T Cell Proliferation, and Dopaminergic Neurodegeneration,” J. Neurosci., vol. 33, no. 23, pp. 9592–9600, 2013.

[4]        M. A. Burguillos, et al. “Microglia-Secreted Galectin-3 Acts as a Toll-like Receptor 4 Ligand and Contributes to Microglial Activation,” Cell Rep., vol. 10, no. 9, pp. 1626–1638, 2015.

[5]        X. Su, H. J. Federoff, and K. A. Maguire-Zeiss, “Mutant alpha-synuclein overexpression mediates early proinflammatory activity,” Neurotox. Res., vol. 16, no. 3, pp. 238–254, Oct. 2009.

[6]        C. Cebrián, et al. “MHC-I expression renders catecholaminergic neurons susceptible to T-cell-mediated degeneration,” Nat. Commun., vol. 5, p. 3633,  Jan. 201