Die richtige Ernährung bei Rheuma

Mikroimmuntherapie und rheumatoide Arthritis

Ernährung bei Rheuma – was sollte man beachten? In Deutschland leiden laut Erhebungen rund 17 Millionen Menschen an Rheuma, davon rund 1,5 Millionen Menschen unter entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Dazu zählen auch etwa 20.000 Kinder und Jugendliche. Diese sogenannte rheumatoide Arthritis (RA) stellt die häufigste Form von Rheuma dar. Allgemein werden unter dem Begriff „Rheuma“ hunderte unterschiedliche Erkrankungen zusammengefasst. Das gemeinsame Beschwerdebild besteht vor allem in Schmerzen des Stütz- und Bewegungsapparates, die über einen längeren Zeitraum beziehungsweise dauerhaft bestehen bleiben. Es handelt sich somit um ein chronisches Krankheitsbild, das zu den Autoimmunerkrankungen gezählt wird.

Bei Rheuma – oder fachsprachlich „rheumatischen und muskuloskelettalen Erkrankungen“ – gibt es verschiedene Therapien, die je nach genauer Indikation und individueller Faktoren an die einzelnen Patienten angepasst werden. Auch die persönliche Lebensweise kann dabei helfen, die Beschwerden der rheumatoiden Arthritis zu lindern. Einer dieser Ansätze ist die Ernährung.

Rheumatische Erkrankungen: Immunsystem und Autoimmunität

Rheumatische Erkrankungen sind chronisch-entzündliche Veränderungen, die hauptsächlich zu Beschwerden an den Gelenken, aber auch an den inneren Organen (z. B. Herz, Darm), dem Nervensystem, den Blutgefäßen und der Haut führen. Die Ursache sind Störungen des körpereigenen Immunsystems. Wie es zu den Störungen kommt, ist bislang noch nicht eindeutig geklärt.

Die Aufgabe des Immunsystems ist es, den Körper vor schädlichen Erregern wie Bakterien und Viren zu schützen. Um dies bewerkstelligen zu können, werden die Erreger zunächst ausfindig gemacht und anschließend mit einer entsprechenden Immunantwort zerstört. Hierbei handelt es sich in der Regel um entzündliche Prozesse, mit denen die Erreger bekämpft werden. Die Zellüberreste werden abschließend von den Makrophagen beseitigt („Fresszellen“) und die Entzündungsreaktionen werden eingestellt.

Bei den rheumatischen Erkrankungen richtet sich das Immunsystem jedoch fälschlicherweise gegen das körpereigene Gewebe (Autoimmunerkrankung). Durch nicht eindeutig geklärte Ursachen kommt es zu einer Störung, die dazu führt, dass das Immunsystem fehlerhaft zwischen körpereigenen und körperfremden Eiweißen (z. B. Bakterien, Viren) unterscheidet. Es schätzt eigenes Gewebe als gefährlich ein und richtet seine Entzündungsprozesse gegen dieses Gewebe. Dies führt mit der Zeit zu irreversiblen Schädigungen am Gewebe und zu verschiedenen Beschwerden wie Schmerzen und Funktionseinschränkungen.

Wie kann die Ernährung gegen Rheuma helfen?

Beim Thema Rheuma und Ernährung gibt es zahlreiche Hinweise, was gegessen werden sollte und worauf unbedingt zu verzichten ist. Je nach Quelle können diese Ratschläge teilweise weit auseinandergehen. Wie mit allen Therapien gilt auch bei der Ernährung, dass sie individuell unterschiedlich sein kann. Die Ernährung ist nur ein Teil der Behandlung rheumatischer Erkrankungen. Selbst eine ideal zusammengestellte Ernährungsweise ist nicht allein ausreichend, um Rheuma zu therapieren oder beispielsweise medikamentöse oder chirurgische Behandlungen zu ersetzen. Sie kann jedoch ergänzend gute Dienste leisten und bei konsequenter Einhaltung durchaus die Dosis der Medikamente reduzieren. Für eine individuelle Ernährungsberatung sollten Patienten auf jeden Fall Rücksprache mit ihrem Arzt oder Therapeuten halten.

Betroffene können sich an ihre „richtige Ernährung“ herantasten: Indem einige Nahrungsmittel und Bestandteile ausgelassen werden, können sie systematisch herausfinden, was ihnen guttut. Dieses Prinzip wird auch als „Ausschlussdiät“ (engl.: „elimination diet“) bezeichnet.

Einige allgemeine Hinweise für die Ernährung bei Rheuma haben wir für Sie nachfolgend zusammengestellt.

Die wichtige Basis für die Gesundheit: eine ausgewogene Ernährung bei Rheuma

Damit der Körper seine täglichen Aufgaben erfüllen kann, benötigt er Vitamine, Nährstoffe, Antioxidantien und Spurenelemente. Daher sollten sowohl gesunde Menschen als auch Menschen mit einer rheumatischen Erkrankung auf eine vollwertige und ausgewogene Ernährung achten. Dabei gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass Rheuma-Patienten und -Patientinnen einen anderen Nährstoffbedarf haben als gesunde Personen. Durch die andauernden Entzündungen im Körper ist der Nähstoffbedarf bei rheumatischen Erkrankungen meist höher. Die Kost sollte daher den vermehrt benötigten Spurenelementen und Vitaminen angepasst werden.

Das Verhältnis zwischen Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren

Im Zentrum der Ernährung bei Rheuma steht die Entzündung. Auf dem täglichen Speiseplan sollten daher möglichst viele antientzündliche Nahrungsmittel stehen. Auf entzündungsfördernde Lebensmittel sollte hingegen nach Möglichkeit verzichtet werden.

Unser Körper benötigt sowohl Omega-3- als auch Omega-6-Fettsäuren.

Omega-3-Fettsäuren (entzündungshemmend):

  • Alpha-Linolensäure (ALA)
  • Eicosapentaensäure (EPA)
  • Docosahexaensäure (DHA)

Omega-6-Fettsäuren (entzündungsfördernd):

  • Linolsäure (LA)
  • Arachidonsäure (AA)

Es handelt sich hierbei um mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die im Körper umgewandelt und verarbeitet werden. ALA muss zwingend über die Nahrung aufgenommen werden. Aus ihr können dann die beiden anderen wichtigen Omega-3-Fettsäuren hergestellt werden. Die dafür zuständigen Enzyme teilen sich die Omga-3- und Omega-6-Fettsäuren, sodass ein geringeres Verhältnis von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren dazu beiträgt, dass die wichtigen Fettsäuren im Körper gebildet werden können und einen entzündungshemmenden Beitrag leisten.

In der frühsten Vergangenheit des Menschen – der Steinzeit – lag das Verhältnis schätzungsweise bei 2:1 (Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren). In der heutigen westlichen Welt wird häufig ein Wert von 20:1 erreicht. Die Empfehlungen liegen dabei bei einem Verhältnis von etwa 5:1. Ernährungsanpassungen und Gewohnheitsumstellungen sind wichtig, um diesen Wert bewusst erreichen zu können.

Bewegung und Körpergewicht

Zudem sollte auf eine ausreichende, aber gelenksschonende Bewegung geachtet werden. Durch den höheren Nährstoff- und Energiebedarf nehmen Rheuma-Patienten mehr zu sich. Gleichzeitig ist die Bewegung durch die Schmerzen, die die Erkrankung mit sich bringt, meist eingeschränkt, sodass die Muskelmasse schwindet. Die geringe Muskelmasse führt wiederum dazu, dass der Grundumsatz gesenkt wird und die aufgenommene Energie in Körperfett umgewandelt wird. Um diesen Kreislauf zu durchbrechen, sollten kurze Aktivitäten, die die Gelenke nicht stark belasten, durchgeführt werden – am besten in mehrfachen Wiederholungen (sogenanntes Intervalltraining).

Durch eine gesunde und auf die Krankheit abgestimmte Ernährung sowie durch ausreichend Bewegung tragen die Patienten und Patientinnen dazu bei, ihr Normalgewicht zu erreichen beziehungsweise zu halten. Übergewicht belastet die Gelenke zusätzlich. Zudem ist bekannt, dass übergewichtige Menschen erhöhte Entzündungswerte haben. Laut Forschern befinden sich im Fettgewebe bestimmte Bakterien, die eine entzündungsfördernde Wirkung haben. Die erhöhten Entzündungswerte können wiederum dazu führen, dass sich die Beschwerden durch die rheumatische Erkrankung intensivieren.

Was ist gut?

Grob gesagt hilft alles, was antientzündlich wirkt. Hier kommen insbesondere bestimmte Öle und Gewürze ins Spiel. Laut Studien können Beschwerden wie geschwollene Gelenke durch den Verzehr der Fettsäure Eicosapentaensäure (EPA) reduziert werden. Ein hoher Anteil dieser Omega-3-Fettsäure befindet sich beispielsweise im Fischöl. Doch Fisch ist nicht der einzige EPA-Lieferant. Eicosapentaensäure entsteht auch aus Alpha-Linolensäure (ALA), die unter anderem in Leinöl, Weizenkeimöl, Rapsöl und Walnussöl vorkommt. Ebenso eignen sich antientzündlich wirkende Gewürze wie Ingwer, Kurkuma, Curry, Kümmel und Knoblauch. Durch ihre Antioxidantien helfen sie Rheuma-Patienten und -Patientinnen, ihre Beschwerden zu lindern. Ein guter Zusatz ist auch Minze als entzündungshemmendes Heilkraut. Auch Vanille und Zimt können der Gesundheit etwas Gutes tun: Sie wirken ebenfalls entzündungshemmend. Zudem gelten Vanille als muskelstärkend und Zimt als schmerzstillend.

Des Weiteren haben Beeren sehr positive Eigenschaften. Sie besitzen eine große Menge Vitamin C, welches das Immunsystem unterstützt. Zudem sind sie reich an wichtigen Mineralstoffen. Schwarze Johannisbeere regt beispielsweise die Produktion eines bestimmten Hormons an, welches entzündungshemmend wirkt, was den Gelenken zugutekommt. Das Vitamin C und das sogenannte Anthocyane der Beeren helfen zudem als Antioxidantien dabei, freie Radikale im Körper zu binden und somit die Zellen zu schützen. Anthocyane verlangsamt außerdem den Knochenabbau und unterstützt den Knochenaufbau. Sie befinden sich unter anderem in schwarzen Johannisbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren, schwarzen Kirschen und blauen Weintrauben.

Auch Ballaststoffe sind wahre Entzündungshemmer: Mit viel buntem und saisonalem Gemüse, Obst, Nüssen und Vollkorn werden dem Körper nicht nur Vitamine, Mineralien, Eiweiße und wichtige Nährstoffe zugeführt, sie können auch die Entzündungsmarker senken.

Was ist weniger gut?

Ein Stoff, den es möglichst zu reduzieren oder zu vermeiden gilt, ist Arachidonsäure. Hierbei handelt es sich um eine Fettsäure, die im Körper entzündungsfördernde Botenstoffe freisetzt. Dadurch können sich die rheumatischen Entzündungsprozesse verschlimmern und die Beschwerden verstärken. Die Fettsäure befindet sich in tierischen Produkten. Aus diesem Grund sollten nur geringe Mengen an Fleisch- und Wurstwaren sowie Milchprodukten auf dem Speiseplan stehen. Zudem sollte in Betracht gezogen werden, auf fettärmere Varianten umzusteigen.

Ist es somit empfehlenswert, sich nur noch vegetarisch oder sogar vegan zu ernähren? Einige Menschen schwören darauf, dass eine fleischlose Ernährung oder eine Ernährung ohne jegliche tierischen Produkte sehr gut bei einer Rheuma-Erkrankung ist. Wissenschaftliche Belege gibt es dafür bislang noch nicht. Aber es sollte zumindest darauf geachtet werden, die genannten Produkte höchstens in kleinen Mengen zu konsumieren – eine vegetarische oder vegane Ernährungsumstellung scheint nicht zwangsläufig nötig, sofern die Patienten und Patientinnen es nicht möchten. Der Verzicht auf Fisch ist angesichts des hohen Anteils an Omega-3-Fettsäuren (z. B. im Lachs) nicht zu empfehlen.

Des Weiteren sollte der Konsum von Nikotin und Alkohol eingeschränkt oder gar gänzlich unterlassen werden, um die Gesundheit des Körpers zu unterstützen. Reduzieren Sie zudem die Aufnahme von Kohlenhydraten, verzichten Sie auf Zucker und Softdrinks sowie auf Weizen. Im Weizen sind entzündungsfördernde Lektine enthalten. Besser sind daher Dinkelprodukte.

Ein stetiges Umgewöhnen führt zum Erfolg

Ernährung hat viel mit Gewohnheit zu tun. Die Umstellung kann zu Beginn der neuen Diät schwerfallen. Daher ist es wichtig, in kleinen Schritten vorzugehen. Ändern Sie am besten zunächst einen kleinen Teil Ihrer Ernährung und beobachten Sie, wie sich Ihr Körper und Ihr Befinden in den nächsten Wochen verändert. Positive Erlebnisse helfen dabei, „am Ball zu bleiben“ und weitere Veränderungen anzugehen und damit zu experimentieren. Zudem können Sie Ihre Freude und den Spaß am gesunden Kochen neu entdecken oder verstärken.

Die Mikroimmuntherapie bei rheumatoider Arthritis

Eine weitere Ergänzung zur Therapie rheumatischer Erkrankungen bietet die Mikroimmuntherapie, da sie auf die Modulation und Regulation des Immunsystems abzielt. Sie setzt somit an der Ursache für die chronisch-entzündlichen Vorgänge an. Mithilfe von antientzündlichen Botenstoffen (Zytokinen), kann der Entzündung entgegengewirkt werden. Sie hilft somit sowohl gegen die chronische Entzündung als auch bei akuten Schüben.

Save the Date: Am 21. Oktober 2021 findet unser Webinar zum Thema „Mikroimmuntherapie bei Rheuma“ vor der Österreichischen und Deutschen Rheumaliga statt. Die Anmeldung ist kostenlos. Den genauen Link erhalten Sie nach Ihrer Anmeldung unter anmeldung@hennrich-pr.at oder unter der Telefonnummer 0043 (0)664/4126996. Wir freuen uns, wenn Sie an der Veranstaltung teilnehmen möchten!

Kontaktieren Sie die MeGeMIT bei Fragen zur Mikroimmuntherapie.
Bitte beachten Sie: Die getroffenen Aussagen zu Indikationen und Wirksamkeit beruhen auf den Erfahrungen der praktizierenden Mikroimmuntherapeuten.

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